Lummentage


Mitte bis Ende Juni kann man am Lummenfelsen, übrigens das kleinste Naturschutzgebiet der Welt, beobachten, wie sich die 3 Wochen alten, flugunfähigen Lummenküken durch den Wasserruf der Eltern aus dem Brutfelsen 50m in die Tiefe stürzen. Geschützt durch ihr dichtes Federkleid ,die kurzen Stummelflügel ,die v-förmig ausgebildeten Rippen und der Luftsäcke in ihren kleinen Körpern überstehen die Jungvögel dieses für den Zuschauer halsbrecherisch anmutende Kunststück, d.h. den Aufprall auf die Wasseroberfläche oder auf den Felsen gänzlich unbeschadet.

Ein 3 Tage Erlebnispaket „ Lummensprung”  für 49.-€ ist ab April buchbar.




Wenn man nicht gerade ausgebildeter Ornithologe ist oder schon einmal im Juni auf der Insel Helgoland war, wird man mit diesem „Sprung“ sicher nicht viel anfangen können. Dabei verbirgt sich hinter diesem Wort ein unglaubliches Naturschauspiel, das nirgendwo sonst in Deutschland zu beobachten ist. Jedes Jahr kommen zahlreiche Touristen auf die Insel, um dieses aussergewöhnliche Naturereignis mit zu erleben. Im kleinsten Naturschutzgebiet der Welt – dem Lummenfelsen im Oberland der Insel Helgoland – kann man zwischen Mitte und Ende Juni beobachten, wie die kleinen Lummenküken sich aus ihren Nestern in dem Felsen zu ihren Eltern ins Meer stürzen. Mit einem Alter von drei Wochen und absolut flugunfähig stürzen sich die Kleinen noch im Daunenkleid dem Ruf ihrer Eltern entgegen. Geschützt durch die dichten Federn und den Luftsäcken in ihren Körpern überstehen die Küken den oft über 40 m tiefen Sturz und den Aufprall auf die Meeresoberfläche oder unter Umständen auf einer Felskante unbeschadet und werden zur Belohnung von ihren Eltern im Wasser so lange gefüttert, bis sie selber fliegen können.

Die Frage, warum die Natur ein derart halsbrecherisches Verhalten der Jungvögel hervorgebracht hat, beantwortet sich, wenn man etwas mehr über Lummenvögel weiss. Lummen sind weit verbreitete Meeresvögel, die nur zu Brutzeiten an die Küste kommen. Man unterscheidet zwei Arten- die Dickschnabellumme und die Trottellumme. Beide werden ungefähr 38-46 cm gross und wiegen in etwa 1 Kilo. Nur die Trottellumme baut ihre Nester auch auf Helgoland, die Dickschnabellumme brütet in den arktischen Gewässen weiter nördlich bis zu den Aleuten in Alaska. Grundsätzlich brüten Lummen in Kolonien an eher unzugänglichen Steilküsten, wo das Weibchen jeweils nur ein Ei direkt auf den Felsenboden der Klippen legt. Während der Bebrütung durch das Weibchen liegt das Lummenei auf den Schwimmhäuten des Muttertieres. Bedingt durch seine ovale Form – ein Lummenei ist ungefähr 8 x 5 cm gross – rollt das Ei auf dem steinigen Boden nicht besonders gut, was bei den schmalen Felsvorsprüngen von grossem Vorteil zum Überleben der Brut ist. Da ausgewachsene Lummen ein relativ hohes Gewicht haben und eher kleine Stummelflügel, ist der Transport der Nahrung für ihre hungrigen Kleinen nicht einfach bzw. sie können nur wenig Nahrung auf dem Flug zur Brutstelle mitnehmen. Wachsen die kleinen Küken heran steigt auch ihr Bedürfnis nach mehr Nahrung, die ihre Eltern aber nicht mehr fliegend heranschaffen können. Aus diesem Grund rufen die Eltern mit einem speziellen Lockruf ihre Jungvögel in einem Alter von drei Wochen ins Meer, um sie dort weiter zu füttern, bis sie fliegen und sich selber ernähren können. Die Natur hat also wieder einmal auf ihre ganz besondere Weise auf lebensnotwendige Bedingungen reagiert und den physischen Mangel der Elterntiere durch aussergewöhnlichen Mut oder besser gesagt durch unglaubliches Vertrauen der Jungvögel kompensiert, um das Aussterben dieser Vogelart zu verhindern.

Man kann sich nun wohl eher ein Bild von diesem einmaligen Schauspiel machen und sich vorstellen, wie ungewöhnlich der „Sturzflug“ unzähliger wie Schneeflocken wirkenden Lummenküken aussieht. Die Faszination der Beobachtung eines so waghalsigen Unternehmens führt bei den meisten Zuschauern zu lauten Schreckensrufen, bis man dann endlich erleichtert „sein Küken“ sicher und gesund erhalten im Wasser auftauchen sieht und das Wohlergehen der putzigen Tiere wieder vertrauensvoll in die Hände ihrer Eltern legen kann.

Programm „ Lummensprung“

  • Begrüssungs-Sherry
  • Vortrag : Einführung in das Thema „Lummensprung”
  • Naturkundliche Führung auf der Düne
  • Lummensprung am Felsen
  • Führung durch den Fang-Garten der Vogelwarte
  • Führung durch das Aquarium
  • Fachvorträge ( Seevögel, Fischerei etc. )
  • Besuch im “Mare Friscum Spa Helgoland”
  • Museumbesuch